Donnerstag, 19. September 2013

Ich werd zum Wutbürger

Neulich kam mein ältester Sohn kreidebleich und schreiend über den Spielplatz gerannt. Die Haut hing ihm in Fetzen von seiner rechten Hand. Erstaunlicherweise lief diese Szene recht unblutig ab und die Wunde war mit zwei großen Pflastern schnell versorgt.
Was war passiert?
Er hatte sich an einer messerscharfen Metallverbindung an der Schaukel verletzt. Andere herumstehende Eltern erklärten mir, dass an dem Ding schon seit Wochen die Gummiisolierung fehlt. Repariert aber keiner. Wie viele andere marode und kaputte Spielgeräte in Friedrichshain-Kreuzberg.
Mehr als die Hälfte der 175 Spielplätze dieses kinderreichen Berliner Bezirks sind entweder gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar. Jeden Tag werden es mehr. Dabei müssten die Verantwortlichen ein Interesse daran haben ein ausreichendes Spielplatzangebot zur Verfügung zu stellen.
Seit dem 1. August 2013 haben alle Kinder, die ein Jahr und älter sind einen Rechtsanspruch auf einen Kita-bzw. Krippenplatz. In Friedrichshain-Kreuzberg besucht ein nicht unerheblicher Teil der Kinder einen Kinderladen oder geht in eine Tagespflege. Diese Betreuungseinrichtungen werden meist ohne ausreichende eigene Grünflächen genehmigt und sind somit, im Gegensatz zu Großkitas mit eigenem Garten, massiv auf die öffentlichen Spielplätze angewiesen.
65000 Euro hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in den Jahren 2012/2013 für die Reparatur und Instandhaltung der Spielplätze vom Senat zur Verfügung gestellt bekommen. Die grüne Fraktion des Bezirks hat ausgerechnet dass es somit nur läppische 37 Jahre dauern sollte, die bereits bestehenden Schäden in Höhe von 2,4 Mio Euro zu reparieren.
Zum Vergleich: Der Großflughafen BER hat bis jetzt 4,3 Mrd Euro gekostet. Jeder weitere Monat bis zur Eröffnung eines fernen Tages kostet den Steuerzahler 35-40 Millionen Euro.
Die Kleinkinder, ihre Familien und Erzieher tragen die Last dieser verfehlten Finanzpolitik aber nicht allein. Sie sind in guter Gesellschaft. Kürzlich hatte nämlich jemand die Idee auch bei der Jugendhilfe den Rotstift anzusetzen um Projekte zu streichen und Einrichtungen dicht zu machen. So zum Beispiel den T.E.K. Jugendladen in Kreuzberg, der seit 1972 alternative Kinder-, Schüler- und Jugendarbeit leistet.
Ab dem 1.1.2014 werden die Jugendlichen auf der Straße stehen, wenn die Verantwortlichen nicht bereit sind umzudenken und das Geld endlich in die richtige Richtung lenken! Die derzeitigen Zustände sind eine Schande für die Stadt Berlin und zeigen, dass die Jüngsten der Gesellschaft einfach keine Lobby haben.
Wir hätten die kaputte Schaukel letztens bei der zuständigen Stelle des Bezirksamtes melden sollen. Haben wir aber nicht. Denn sie würde nicht repariert werden. Nein, man würde sie abnehmen oder mit einem Bauzaun absperren. Ich sage den Kindern einfach sie sollen vorsichtig sein.
Lieber eine kaputte Schaukel als gar keine Schaukel.


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