Mittwoch, 28. November 2012

Kinder kriegen

Neulich habe ich das dritte  Jahr in Folge ein Konzert von The Gaslight Anthem abgesagt. Aus Müdigkeitsgründen. Der Gedanke an langes abendliches Wachbleiben überforderte mich zutiefst. Während ein großer Teil der gleichaltrigen Endzwanziger durchs Berliner Nachtleben hüpfte, zog ich mir den Schlafanzug an und hoffte, dass das kleinste Kind in dieser Nacht trotz dicker Erkältung wenigstens ein bisschen schlafen würde. 
Wir haben uns sehr früh fürs Kinderkriegen entschieden. Mit 22 kam das Erste, vier Jahre später das Zweite. Glaubt man den Statistiken, macht heutzutage ja kaum noch jemand Babys. Schon gar nicht so früh. Babys stinken, sind laut und kotzen auf den Teppich. Außerdem tut das Rausdrücken ziemlich weh. Das schreckt viele Leute ab und treibt eine ganze Generation dazu, die Entscheidung für ein Kind erst mal zu vertagen. Auch gehen bei der ganzen Rumreiserei, dem Feiern und dem Klettern auf der Karriereleiter jede Menge Zeit und immer wieder auch mal die Partner verloren. Es scheint also alles nicht so einfach zu sein. Grundsätzlich passt so ein Kind eigentlich nie. Soviel sei zum „richtigen Zeitpunkt“ schon mal gesagt.  Man kann bis zum eigenen Lebensende Gründe finden, warum das mit dem Kindermachen gerade nicht so günstig ist. Oder man springt einfach ins kalte Wasser und traut sich diese Sache zu, vielleicht sogar in einem Alter, indem die Mitmenschen nicht rätseln müssen ob man jetzt die Oma des mitgeführten Kindes ist, oder die Mutter. Die philosophischen Gespräche, die man mit dem eigenen Vorschulkind übers Leben führen kann sind unbezahlbar. Und … selbst wenn das jetzt ein bisschen abgegriffen klingt: ein lautes Babylachen auch.
Die schwierige Zeit der ersten Monate mit einem Baby geht viel zu schnell  vorbei.  Später macht’s dann richtig Spaß und für manche Menschen auch das erste Mal im Leben so etwas wie Sinn. Danach suchen ja jede Menge Leute heutzutage. Überhaupt fragt man sich mit Kindern recht häufig, wie man die Zeit vor ihnen eigentlich so verbummelt hat (wahrscheinlich auf Konzerten).
Das ganz kleine Kind ist in der besagten Nacht damals übrigens  fünf Mal wach geworden und ich sah am nächsten Morgen zumindest danach aus, als hätte ich die ganze Nacht durchgefeiert. The Gaslight Anthem spielen bestimmt wieder mal in der Hauptstadt. Dann bin ich aber vielleicht eventuell dabei.



Kommentare:

  1. Ein schoener Artikel. Ich selbst habe auch 2 Kinder (3 Jahre und 8 Monate), gehe aber trotzdem noch auf Konzerte, allerdings viel seltener als frueher (hinter Bands herreisen ist doch nicht mehr drin). Aber ich moechte die Beiden auch garnicht wieder hergeben. Man kann wieder rumbloedeln und selbst Kind sein, Weihnachten macht soviel mehr Spass und Sinn mit Kindern und ich habe vorher nie gewusst, wie sehr man einen Menschen lieben kann.
    Mein Mann und ich machen lieber jetzt eine Pause vom hektischen Leben und planen Weltreisen und Konzerttouren fuer wenn die Kleinen nicht mehr klein sind :)

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  2. ach mensch.

    ich finde ja, dass man (und frau) das nicht hätte besser ausdrücken können.
    es ist nicht immer leicht, aber war es denn vor den kindern immer leicht?!

    liebe grüße :)

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  3. und das selbstportrait, halleluja. sowas hätt ich auch gern, wirklich schön!! malen müsste man können.

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  4. Konzerte habe ich in der Schwangerschaft noch oft besucht, aber jetzt ist das hier auch eher nicht so mein Fall...deswegen sitze ich jetzt auch gemütlich auf dem Sofa und kommentiere statt mit den Freunden im Irish Pub zu sitzen ;)
    Das Portrait ist der Hammer! Sowas hätte ich für uns auch super gerne in dem Stil...LG

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  5. Oh die Zeichnungen sind so absolut wunderschön und ansprechend. Ich mag den Stil total!!!! ♥

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